Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs frau k. für Juni, 2007.
29.6.2007 von frau k..

silvia war XL. weil chips und butterkekse lange zeit das einzige waren, was in ihrem leben knisterte. dann zog karl nebenan ein. so schön, dass der appetit wegblieb, so gut gebaut, dass ihr der hunger verging. bei L borgte silvia erstmals schüchtern salz von ihm, bei M kam er abends vorbei, um nach milch zu fragen. er blieb so lange, dass er sie in den frühstückskaffee gießen konnte. seine gefühle? S. ernsthafte absichten? XS. was aber egal ist, seit silvia mit ihrem schneider im kerzenschein zu aimer la vie getanzt hat…
Geschrieben in j*unikate | 3 Kommentare »
28.6.2007 von frau k..

marzipaniger weichseltraum
man nehme einen topfenmürbteig a la mironja (ein packerl butter, ein packerl topfen, 25 el (250 g) mehl) - verkneten und kühlen.
ausrollen und etwa 10 min. vorbacken.
dünne marzipanscheiben drauflegen und weitere 10 minuten backen.
dann von einem etwa vierjährigen mit einem entkerner und ein paar weichseln die küche in ein schlachtfeld verwandeln lassen.
weichseln auf dem marzipan verteilen und streusel aus 5 el zucker, 5 el mehl, 3 el butter und 5 el gemahlenen haselnüssen darüberstreuen.
noch etwa 20 min backen.
Geschrieben in küchenprinzessin | 1 Kommentar »
25.6.2007 von frau k..

Kinder, es ist Kirschenzeit! Fassungslos registriert Regine, dass der Kreativdirektor soeben ihren Slogan als den seinen verkauft hat. Irritiert blickt sie in die Runde der Kreativen, die in ihren pastellfarbenen Poloshirts – eine Mannschaft Polospieler, eine Horde Krokodile – erste Entwürfe der Amarenajoghurt-Becher herumreichen. Sie denkt an die Zeit, als sie mit Kirschkernen den frechen Nachbarsbuben gezielt kleine blaue Flecke auf Oberarme und Beine gespuckt hat. Wir müssen irgendwie die Gelatineangst auf der Packung intellektuell auflösen, machst du das bitte, Cherie? Während Regine ergeben nickt spürt sie plötzlich einen Kirschkern, der sich hinter der oberen Zahnreihe löst, sie schiebt ihn vorsichtig nach vor, rollt die Zunge ein und…
Geschrieben in j*unikate | 3 Kommentare »
20.6.2007 von frau k..
ist es kaputt? oder schaut niemand mehr herein?
beschwert euch über langweilige geschichten, protestiert gegen verschwommene handybilder oder erzählt mir doch einfach, wie die inschriften beim 7. junikat weitergehen könnten…..
es bedankt sich jetzt schon eure hier etwas einsame frau k.
Geschrieben in Allgemein | 8 Kommentare »
19.6.2007 von frau k..

eines tages fiel elenas lächeln einfach aus ihrem gesicht und landete auf einer pizza capricciosa, die sie gerade routiniert mit dosenchampignons und käse aus der plastiktüte belegte. elena wurde ihres lebens nicht mehr froh. traf sie sich mit freundinnen, klagte sie über ihr trostloses möchte-gern-köchinnen-leben, bekam sie komplimente, revanchierte sie sich mit augenrollen. gegen den sommer trug sie dunkle sonnenbrillen, gegen rosen entwickelte sie eine allergie. da stieg carlo auf den schlossberg und pflückte für elena ein neues lächeln, das er mit einem gewagten kuss auf ihre lippen setzte. jetzt wird in der kleinen pizzeria wieder gelacht und gekudert, gelächelt und gescherzt, gegluckst und gekichert. die pizza capricciosa hat pietro sicherheitshalber von der karte gestrichen.
Geschrieben in j*unikate | 2 Kommentare »
12.6.2007 von frau k..
Lebensende mit drei Buchstaben? Claus knüllte das post-it seines Bruder ärgerlich zusammen. Zuerst hatten sie alle ständig genervt, wann er sie denn nun endlich fragen würde, und nun machten sie sich lustig. Aber es war schon die richtige Entscheidung. Claudia würde das Haus in Gersthof, das ihm seine Eltern nun endlich überlassen wollten, mit Lachen und Leben füllen. Nur ihr Geschmack ließ ihn manchmal zweifeln. Welch Entsetzen, als sie beim Erstellen der Hochzeitsliste neben schweren Handtüchern und Damasttischdecken auch auf dieses Plastikteil für seine fin-de-siécle-Glasvitrine im Speisesalon bestand. Glücklicherweise war die dunkelgelockte Verkäuferin leicht zu bezaubern. Die Sache mit dem Preisschild kostete ihn drei Margaritas. Und einen Kuss, der salzig schmeckte, und nach meer.

Geschrieben in j*unikate | 4 Kommentare »
10.6.2007 von frau k..

Da war sie wieder, diese Angst, sich nicht mehr zu spüren, sich langsam in Luft aufzulösen, irgendwann nicht mehr da zu sein. Als Kontakter mangelte es Georg nicht an Kontakten, er war erfolgreich, kreativ, hatte jede Menge Sex, manchmal sogar mehrmals mit ein und derselben Frau. Dennoch kroch alle paar Monate dieser gesteigerte Geborgenheitsbedarf in ihm hoch. Diese Sehnsucht, einfach nur festgehalten zu werden. Dann fuhr er stehend zur Stoßzeit U-Bahn, drängte sich hastig in überfüllte Lifte, ließ seine Arme bei Gratis-Massenveranstaltungen scheinbar achtlos an fremder Haut streifen und schob vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen eine Büroklammer ganz tief in die hintere Hosentasche.
Geschrieben in j*unikate | 2 Kommentare »
6.6.2007 von frau k..

36 quadratmeter für renate. irgendwie hat sie sich das alles anders vorgestellt. die filterkaffeemaschine röchelt vor sich hin. weil die keep-smiling-tasse zu bruch gegangen ist, nimmt sie das häferl des privatradiosenders, den sie nie hören wird. weil niemand da ist, der ihr das mit der hausantenne einrichtet. auf dem basilikum vor dem küchenfenster kleben blattläuse. so viel zu den italienischen momenten ihres lebens. sie nimmt den kaffee und das packerl memphis und setzt sich auf den balkon, um von einem leben zu träumen, das etwas weniger favoriten und etwas mehr saint germain ist.
Geschrieben in j*unikate | 5 Kommentare »
5.6.2007 von frau k..

Hermine hat gern gekocht und gut. Aber zur Greisslerin hat sie immer Otto geschickt. Sorgfältig hat sie ihm schon in der Früh den Einkaufszettel geschrieben. Da stand dann das Briochekipferl, mit dem sie so gern die Milchhaut aus ihrem Kaffee getunkt hat, drauf, alle Zutaten für ihr geliebtes Reisfleisch und 15 Deka Polnische, die hat sie am Abend auf ihren entrindeten Wurstbroten verteilt. Seit die Greißlerin zugesperrt hat, geht Otto zum Spar, das macht er ganz gerne, auch wenn er nicht immer die richtigen Erdäpfel bringt, weil Ditta und Kipfler kann er dort nicht finden. Ja, und dann ist Hermine gegangen. Zuerst ins Spital und dann für immer. Ottos Einkaufszettel ist jetzt nicht mehr so lange. Und er schreibt ihn auch nicht mehr täglich neu. Dafür kauft er manchmal ein Nussbeugerl statt dem Brioche. Eine Dose Gulasch, bei der Hermine die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Und einen Liptauer statt der Polnischen. Gestern hat er seinen Einkaufszettel im Wagen vergessen. Heute wird er einmal die dicke Wirtin gegenüber dem Friedhof besuchen.
Geschrieben in j*unikate | 1 Kommentar »