2togo

2

Die Ukraine hat uns also auf ihrem eigenen Republiksboden das Weihnachtsfest erhalten, die Herren Ukrainer sind in ihrer Liebe zu diesem Fest sogar so weit gegangen, die Zuckerration aus diesem Anlaß zu verdreifachen, so dass jeder, sofern er das Geld dazu besitzt, sechs Pfund Zucker kaufen kann, und darüber hinaus wird jeder Bürger ein und ein Viertel Pfund Grießmehl erwerben können. Wozu der Grieß sein soll, weiß ich nicht, aber als ihn alle kauften, da kaufte ich auch welchen.
Jaroslav Hasek, Weihnachtsfeuilleton

3togo

3

Unser Weihnachtsmenü: Es soll natürlich festlich und etwas Besonderes sein! Viel her-, aber bitte doch nicht so schrecklich viel Arbeit machen! Und sich bequem vorbereiten lassen. Die berühmte Quadratur des Kreises!
Martina und Moritz, Richtig gut kochen!

4togo

4

Lautlos gleiten die wenigen Autos über den Schnee, alles ist so ruhig. Die Passanten auf der Oranienstraße strahlen sich an, sogar die Stressjugendlichen mit Migrationshintergrund formen kindliche Schneebälle an den Straßenecken.
Christiane Rösinger again

5togo

5

Ich klopfte an Peters Tür, und Peter öffnete mir sofort, wenn er über mein Kommen erstaunt war, ließ er sich das jedenfalls nicht anmerken. Er hatte geheizt und saß bei Kerzenschein vor dem laufenden Fernseher, er schien zu existieren, auch ohne mich, ich fand das erstaunlich.
schon wieder, immer noch: judith hermann

6togo

6

Ich begegnete ihm kurz vor Weihnachten zufällig im Park, wir standen voreinander wie Fremde, ich sagte ›Und was machst du eigentlich zu Silvester?‹ Ich hing noch immer an der Vorstellung eines gemeinsam verbrachten Jahreswechsels, ein Symbol für das kommende Jahr, in dem alles gut werden mußte, so wie all die Jahre zuvor. Lukas sagte ›Weiß nicht. So rumsitzen und gucken, was kommt, wahrscheinlich‹, und starrte an mir vorbei in die kahlen Äste der Pappel hinauf.
Judith Hermann, Nichts als Gespenster

7togo

7

Noch liegt Schnee, doch die Blumenläden lassen langsam ihr winterliches Sortiment – Weihnachtskakteen, Weihnachtssterne, Tannenzweige – auslaufen und stellen auf Hyazinthen im Glas und andere erste Frühlingsboten um.
Christiane Rösinger: Das schöne Leben

8togo

8

Siehst du, das meine ich. Auch ich weiß genau, was ich in dieser Zeit gemacht habe. Jeder weiß, wo er war, und jeder weiß, was er speziell um Mitternacht gedacht, gesagt und getan hat, allerdings nur innerhalb derselben Zeitzone. Und da sehe ich das Problem.”
Thomas Glavinic, Das Leben der Wünsche

9togo

9

“Weißt du, warum ich Silvester mag? fragte er. Weil sich jeder erinnern kann, wo er war. Wo warst du letztes Silvester?
Bei Phil, wegen der Dachterasse, wo sonst? Um Mitternacht habe ich mir gewünscht, im kommenden Jahr Isländisch zu lernen. Es gab belegte Brote und Sekt, und alle trugen Kleidung aus den 1920er-Jahren.
Thomas Glavinic, Das Leben der Wünsche

10togo

14

An dem Tag, an dem Alice Friedrich zum ersten und einzigen Mal sah, regnete es. Leichter Regen, aber stetig, schräge Striche vor dem Winterhimmel.
Judith Hermann, Alice

11togo

13

In Wirklichkeit braucht es für gute Einfälle ganz dringend die Langeweile und das Liegen, und die Glücksfälle des Lebens, die Momente, in denen einem die Ideen und Lieder zufliegen, die würde es ja gar nicht geben, wenn man diese orientalische Lebensweise aufgeben würde. Im Stehen, im Sitzen kommt kein Lied angeflogen, und selbst wenn, würde man es nicht bemerken.
christiane rösinger, das schöne leben