herbstliches scheitern

blatt

herbst ist. die männer verfärben sich, bald werden sie ihre ersten haare verlieren. kann ja ganz schön sein, aber muss es deshalb so nass, windig und kalt sein? müssen wir jetzt gleich die schläpfchen, röckchen und tops einwintern und uns einen winterpelz wachsen lassen? mit wimperntuschebächen im gesicht, blau gefrorenen zehen und klammen fingern bitte ich um sommerzeitverlängerung, bevor der erste kürbis anrollt.

beim bezahlen scheitern

lokal

„1,99“ sagt die blonde verkäuferin, nicht im geringsten ahnend, in welches dilemma sie mich damit stürzt. Ich gebe ihr eine 2-euro-münze und warte einen moment zu lange, um cool von dannen zu ziehen. jetzt stehe ich blöd da, während sie in der geldlade umständlich nach einem ein-cent-stück kramt, meine beine fühlen sich an, als würden rings herum brennesseln und dornenhecken aus dem boden schießen. flucht: zwecklos. ich fühle mich unglaublich knausrig, sehe vor mir, wir sich die blondine abends bei ihrem freund über die rückenschmerzen beklagt und von frauen erzählt, die sich dänische pekannusstaschen um 1.99 kaufen und dann demonstrativ stehen bleiben, bis sie auch wirklich den einen cent herausbekommen. nur so wirst reich… nein, so eine bin ich doch nicht. was soll ich sagen? passt schon? stimmt schon so? dann erzählt sie ihrem freund, der vermutlich unglaublich verliebt ist in sie, weil sie nach marillenmarmelade duftet, und nach topfenplunder…. also dem erzählt sie dann von der tussi, die glaubt, mit einem (!) cent großzügig zu sein. die offenbar ihr schlechtes gewissen der ganzen welt gegenüber mit einem einzigen cent wieder gut machen will. na super, die sonnenbrille hab ich in den haaren stecken, lippenstift auch noch, und dann „der cent ist für sie“ – geht’s noch kotziger? mit einem kleinlauten danke stecke ich den blöden cent ein und gehe schnell davon. die dänische pekannusstasche habe ich liegen lassen. soll sie doch diese blondine ihrem doofen freund mitbringen.

scheitern bei spontanen guten wünschen

leckmich

es war donnerstag, elf uhr vormittags und vier mir ziemlich unbekannte menschen hatten mir bereits „einen schönen tag noch“ nachgerufen. das irritierte mich irgendwie. sahen sie mir an, dass er bisher eher unauffällig und unspektakulär verlaufen war? trug ich die sieben aperol spritz vom vorabend noch im gesicht spazieren? was brachte die bäckereiverkäuferin, den trafikanten, den augustinverkäufer und friseurin dazu, mir gute wünsche zusätzlich einzupacken? und reicht in so einem fall ein danke oder muss man sich revanchieren? vielen dank und ihnen auch, hoffentlich verbrennen sie sich nicht wieder mit den salzstangerln, hoffentlich kommen nicht wieder nur alle um 10-minuten-parkscheine zu holen, hoffentlich kauft ihnen ein lottomillionär alle zeitungen binnen fünf minuten ab, hoffentlich fallen alle locken schön und bleiben die ohren dran! und überhaupt, wenn man etwas zurückschenkt, muss man dann nicht immer noch ein wenig drauflegen? noch einen angenehm warmen sommer! jetzt schon ein frohes fest! ein langes, glückerfülltes leben ihnen! wie eine irre würde ich dann durch die straßen gehen, also lieber doch nur ein solides danke, in ein freundliches lächeln verpackt. ich meine, diese vier menschen haben es ohnehin ganz gut getroffen, ihre wünsche sind in erfüllung gegangen, es war durchaus ein schöner tag noch…